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Puls6 June 2006. Autor: Blutdruckmessgerät |
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In der Medizin beschreibt der Puls (v. lat.: pellere = schlagen, klopfen; PPP pulsum) überwiegend qualitativ die mechanischen Auswirkungen von Herzaktionen auf die direkte Umgebung oder deren Fortleitung in entferntere Regionen des Körpers durch das Gefäßsystem.
Puls, die rhythmische Ausdehnung der Arterien durch aufeinander folgende Blutstöße, die von den regelmäßigen Kontraktionen des Herzens erzeugt werden. Die Arterien ähneln elastischen Schläuchen, und in diese bereits gefüllten Gefäße werden bei jeder Kontraktion des Herzens 30 bis 60 Gramm Blut gedrückt. Die dabei entstehende Dehnung der Blutgefäße pflanzt sich mit etwa sieben Meter je Sekunde durch das Netz der Arterien fort und erreicht schließlich die Kapillaren. Diese haben keine elastischen Wände und setzen dem Blut so viel Widerstand entgegen, dass die Dehnung verebbt. Pulsarten Man unterscheidet eine retrograde (rückwärts, gegen den Blutstrom) von einer anterograden (vorwärts, mit dem Blutstrom) Fortleitung der Herzaktion in den Gefäßen. Die retrograde Fortleitung bestimmt den Venenpuls (siehe unten), die anterograde Fortleitung den arteriellen Puls. Der arterielle Puls findet in der Medizin mehr Beachtung als der venöse Puls. Die Herzfrequenz wird häufig mit dem Puls gleichgesetzt, was inhaltlich nicht ganz richtig ist, da die Herzfrequenz nur ein Teilaspekt des Pulses ist. Der Puls gibt Aufschluss über die Effektivität der Herzaktion, ihre Regelmäßigkeit, die Druckanstiegsgeschwindigkeit in den herznahen Gefäßen während der Systole, den absoluten Druck und das Füllungsvolumen der Gefäße. Pulsvariationen Ruhepuls Die Herzschlagfrequenz in Ruhe beträgt bei einem gesunden Menschen 50 bis 100 Schläge pro Minute. Manchmal ist der peripher getastete Puls langsamer als die Herzfrequenz im EKG. Das hängt mit früh einfallenden Extraschlägen zusammen, die zu einer mechanisch unwirksamen Herzaktion führen. Man spricht dann von einem Pulsdefizit. Der Ruhepuls eines trainierten Ausdauersportlers beträgt meistens zwischen 32 und 45 Schlägen pro Minute. Seltener ist ein Ruhepuls von weniger als 30 Schlägen pro Minute. Das Herz dieser Sportler ist dabei vergrößert. Das Lungenvolumen ist dabei ebenfalls häufig erhöht. * bei Erwachsenen: ca. 70/min * bei Säuglingen: ca. 130/min * bei Kindern: ca. 100/min * bei älteren Menschen: ca. 80/min Paradoxer Puls Als paradoxen Puls oder Pulsus paradoxus bezeichnet man den nicht normalen Abfall der Blutdruckamplitude um mehr als 10 mmHg bei der Einatmung. Er tritt u. a. bei größeren Perikardergüssen auf und gilt als Zeichen einer drohenden Perikardtamponade. Weiterhin findet sich ein Pulsus Paradoxus bei einem Panzerherz, Spannungspneumothorax und bei schweren Asthmaanfällen. Venenpuls Auch an den Venen gibt es einen schwachen Puls. Allerdings ist der Venenfluss von mehreren Faktoren abhängig, insbesondere von der Atmung, der Körperlage und der Körperaktivität und nicht so sehr vom zweigipfligen Venenpuls, der durch wechselnde Druckverhältnisse im rechten Vorhof des Herzens zustande kommt. Der Venenpuls wurde früher als Jugularvenenpulskurve aufgezeichnet und kann heute relativ leicht mit einem Dopplergerät an den verschiedensten Regionen des Körpers abgeleitet werden. Dazu muss allerdings die Dopplerfrequenz auf die niedrigen Flussgeschwindigkeiten im Venensystem umgeschaltet werden. Die typische Venenpulskurve zeigt zwei markante Täler, die dem systolischen und diastolischen Zustrom zum Herzen entsprechen. Nur in einer kurzen Phase kommt es zu einem kurzen Rückstrom in die Venen, was sich in der Venenpulskurve als kleiner Berg manifestiert. Dieser Rückstrom entspricht der Vorhofsystole und wird als A-Welle bezeichnet. Dieser kurze Rückstrom ist allerdings nur bei Sinusrhythmus und intakter mechanischer Vorhofaktion vorhanden. Bei einer schweren Trikuspidalinsuffizienz strömt das Blut aus der rechten Herzkammer in der Systole in erheblichem Maß zurück in den rechten Vorhof und die vorgeschalteten Venen, so dass das systolische Tal der Venenpulskurve aufgehoben oder sogar umgekehrt als Berg erkennbar ist. Eine ganz ähnliche Venenpulskurve lässt sich mittels Transösophagealer Echokardiografie (TEE) auch aus den Lungenvenen aufzeichnen. Sie kann zur Beurteilung des Schweregrades einer Mitralklappeninsuffizienz herangezogen werden. Taststellen Es gibt verschiedene Stellen am Körper, an denen man den arteriellen Puls leicht tasten kann, z. B.: * Radialispuls/Arteria radialis - Handgelenkspuls (daumenseitig) * Carotispuls/Arteria carotis - Halsschlagaderpuls * Femoralispuls/Arteria femoralis - Leistenpuls * Arteria poplitea - Puls in der Kniekehle (bei angewinkeltem Bein) * Arteria tibialis posterior - Hinter dem Innenknöchel * Arteria dorsalis pedis - Mittlerer Fußrücken * Apexpuls - über der Herzspitze als Ausdruck der mechanischen Herzaktionen auf die direkte Umgebung (auch als Herzspitzenstoß bezeichnet). * Arteria temporalis superficialis - Schläfe * Arteria facialis-nase * Arteria subclavia-Schlüsselbein * Arteria brachialis-innenseite des Oberarmes * Arteria ulnaris-Elle * Aorta abdominalis Bauchaorta Im Notfall ist der Femoralispuls (nach der Arterie in der Leiste) bzw. der Carotispuls (am Hals) am verlässlichsten tastbar, da er auch noch bis zu Blutdrücken um 60 mmHg systolisch nachweisbar ist, periphere Pulse bis 80 mmHg. Um bei der Messung die ganze Pulswelle zu erfassen, sollte der Puls mit 3 Fingern getastet werden (Abweichung zum Foto). Man sollte den Puls nicht mit dem Daumen tasten, da dieser bei manchen Menschen selber einen fühlbaren Puls aufweist, welcher dann mit dem verwechselt werden kann, dessen Puls gerade gemessen werden soll. Pulsmessung Der Puls kann auf unterschiedliche Weise gemessen werden: Entweder man verwendet ein Pulsmessgerät, oder man führt die Messung manuell aus. Bei der Messung wird die Anzahl der Impulse pro Minute gemessen. Man kann sie auch in anderen Zeiteinheiten messen und in Impulse pro Minute umrechnen. Pulsqualitäten Neben der wichtigen Aussage Puls tastbar oder Puls nicht tastbar, zum Beispiel bei einem akuten Gefäßverschluss, unterscheidet man im wesentlichen drei Pulsqualitäten: regelmäßig unregelmäßig (Herzrhythmusstörung) schnell langsam hart weich (bei hohem oder niedrigem Blutdruck) Die Traditionelle Chinesische Medizin beschreibt mehr Taststellen und Pulsqualitäten (s. Pulsdiagnose ). Günstiger Trainingspuls Für die Berechnung eines optimalen Trainingspulses existieren verschiedene Formeln. Er hängt u. a. von den verfolgten Zielen ab und liegt für Ausdauersportarten zwischen 70 % (extensives Training) und 85 % (intensives Training) des individuellen Maximalpulses. Häufig wird eine Belastung von ca. 60 % des Maximalpulses zur optimalen Fettverbrennung angegeben. Diese Angabe beruht auf einer Fehlinterpretation von Fettstoffwechseltraining. Praktisch jede sportliche Aktivität geht auch mit Fettverbrennung einher, so dass für eine Gewichtsabnahme nur die Gesamtzahl der verbrauchten Kalorien im Rahmen der Energiebilanz von Bedeutung sind [1]. Eine möglichst zuverlässige Feststellung des optimalen Trainingspulses erfolgt mit Hilfe der Ergometrie. Grobe Richtwerte für ein extensives Ausdauertraining können wie folgt ermittelt werden, sofern keine Arzneimittel wie beispielsweise Betablocker eingenommen werden: (Maximale Herzfrequenz - Ruhepuls) x 0,6 + Ruhepuls = Trainingspuls oder schneller, ohne Berücksichtigung individueller Gegebenheiten (ungenau): 180 - Lebensalter = Trainingspuls Fühlen kann man den Puls überall da, wo eine Arterie über Knochen oder Knorpel verläuft. Der Beginn der Pulswelle stellt den systolischen Druck dar, ihr Ende markiert die Diastole (siehe Blutdruck). Die Pulsgeschwindigkeit beträgt 150 Schläge je Minute beim Embryo, 120 bei Säuglingen, 100 bei Kleinkindern und 60 bis 80 Schläge bei Erwachsenen. Sie kann sich durch Autosuggestion und andere Übungen deutlich ändern (siehe Biofeedback; Bewusstseinszustände; Sportmedizin). Bei Erkrankungen verändert sich der Puls meist in unmittelbarer Abhängigkeit von der Körpertemperatur: Dieser Zusammenhang ist so eindeutig, dass ein erfahrener Arzt die Temperatur eines Patienten anhand des Pulses abschätzen kann. Meist wird der Puls am Handgelenk mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger gemessen. Man zählt die Pulsschläge 15 Sekunden lang und multipliziert den erhaltenen Wert mit vier, um die Pulsschläge pro Minute zu erhalten. Wenn sich der Puls in Geschwindigkeit, Rhythmus und Stärke verändert, ist das für den Kundigen ein Warnzeichen, dass eine Krankheit vorliegen oder bevorstehen kann. Auch die seelische Situation beeinflusst die Pulsfrequenz. Manchmal beobachtet man auch an den großen Venen einen Puls. Er ist meist doppelt so schnell wie der arterielle und entsteht durch Druckschwankungen im linken Herzohr. Quellen: "Druckmessgerät," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2007 http://de.encarta.msn.com © 1997-2007 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. www.de.wikipedie.org |